Anziehungskraft des Verborgenen

Solveig Hild und Sven Hamann bei Alexandra Grass

Anziehungskraft des VerborgenenBielefeld. „Meine Malerei ist ein Diktat meiner Stimmung, die Bewältigung meiner Gefühle, eine intuitive Aussage meines Daseins“, sagt die Malerin Solveig Hild. Gemeinsam mit dem Architekten, Fotografen und Maler Sven Hamann stellt sie ihre Arbeiten in der Galerie Alexandra Grass aus.

„Die Farbe bricht sich langsam ihren Weg“, sagt Solveig Hild zu einem ihrer großformatigen Bilder. Weiß beherrscht das Bild und doch bricht im Zentrum die Farbe durch. Wie der Frühling nach einem schneereichen Winter, erzählt die Malerin. „Die Leinwand ist meine Komplizin“, sagt sie über ihre Beziehung zum Entstehungsprozess. Abstrakt ist ihre Malerei, gespeist aus der Quelle des Erlebten. Der Pinsel ist ihr Handwerkszeug, aber dennoch vermeidet sie manchmal bewusst den Pinselstrich, sucht vielmehr nach methodischer Variation. Hild erprobt die freie Form, experimentiert mit Licht und Schatten, vor allem mit dem Wesen der Farbe, schabt sie, presst sie wie mit einem Stempel auf die Leinwand, gießt sie in feine, erstaunlich präzise Linien.

„Farben sind für mich Kraftspender“, so die Bielefelderin. Oft arbeitet sie in Serie, erschafft zu einem Bild einen Gegenspieler, der das Auge wandern lässt, auf dem Einzelbild und zwischen den Werken. Musik regte sie zu ihren neuesten Arbeiten an. Der Rhythmus mischte mit, hinzu kamen Zufall und Experiment, die eine chaotische, lebendige Dynamik entstehen ließen. Solveig Hilds Bilder tragen keinen Titel. Die Bielefelder Künstlerin verwendet Codierungen, möchte den Betrachtenden nicht vom eigenen Erleben ablenken.

Der in Ammerthal lebende Künstler Sven Hamann zeigt in Bielefeld kleinformatige Arbeiten seiner Malerei. Jedoch verwendet der Pfälzer für seine abstrakten Motive Sand, Zement, Lehm und andere Baustoffe, färbt die Materialien ein, so dass sie auf der Leinwand verfremdet erscheinen. Seine abstrakten Bilder, die erzählen von Parallelen zur Architektur, minimalisieren das Architektonische, den Körper zur Fläche, das Haus zur Hauswand. Der Maler schließt die Zeit mit ein, gestaltet Risse und Spuren der Vergänglichkeit. Seine Bilder evozieren eine Lust an der Berührung und des Begreifenwollens. Sie geben den unwiderstehlichen Impuls, das Verborgene zu entdecken, ein Bild mit den Blicken zu betreten wie sonst ein Haus.

– Maria Frickenstein – NW 12.07.2011

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