Die Zeit der inneren Ungewissheit

Einleitende Worte zu dem künstlerischen Werk von Solveig Hild-Dogar

Solveig Hild-Dogars Schaffen basiert auf Farbe. Sie ist Ausdrucksmittel und Form zugleich. Keines ihrer Bilder hat einen Titel, sie werden codiert, um den Betrachter nicht auf ein Thema hin zu dirigieren. Alles sollen die Bilder selbst vermitteln. Hilds Kunst ist Abstrakte Kunst. Gegenstandslose Kunst. Absolute Kunst.

Das seit 1989 entstandene Werk der Künstlerin bedient sich einer freiwillig fröhlichen Farbigkeit, „ […] d.h. das Auge selbst wird durch Schönheit und andere Eigenschaften der Farbe bezaubert.“ 1 Doch die Wirkung desselbigen auf den Betrachter verrät noch nichts von der tiefen Seelenemotion der Künstlerin.

Ende des Jahres 2010 kommt es zu einer Konzentration auf das gegensätzliche Farbpaar Schwarz/Weiß. Es ist das „Prinzip der inneren Notwendigkeit“ 2, das auf die Farbe verzichtet und eine Identitätskrise in Werk und Dasein der Künstlerin auslöst. Diese führt aber nicht zu einer Aufgabe der Spontaneität im Schaffensprozess, sondern zu einer freieren Arbeitsweise. Die gleichzeitige Auseinandersetzung mit den Abstrakten Expressionisten, allen voran Jackson Pollock, und deren Mitteln führt zu der Erkenntnis, […] dass jedes Mittel eine ihm geeignete Anwendung in sich birgt und dass diese Anwendung herauszufinden ist.“ 3 Dieses „Ablernen“ 4 bringt eine Grenzziehung der Künstlerin zwischen ihr und den Abstrakten Expressionisten der New Yorker Schule hervor und hat ein tieferes Verständnis der eigenen Mittel als direkte Folge.

Die neuen Werke der Schwarz/Weiß-Serie Hilds wirken stärker komponiert und verweisen so auf einen kontrollierten Materialeinsatz. Die Farben Schwarz (Tod) und Weiß (Geburt) verbinden sich in einem moralischen Grau und bilden ganze Universen, die empfindlich wie Rauchwölkchen wirken und einzig erahnen lassen, dass sich neben dem neu gewonnenen Selbstbewusstseins Hilds noch ein Funken Angst verbirgt; den Kontakt zu dem Bild zu verlieren.

Alexandra Grass, M.A.


Die Galerie Alexandra Grass, Breite Str. 26, 33602 Bielefeld präsentiert zur Zeit Werke von Robin van Arsdol, Cornelius Rinne und James Rizzi und Solveig Hild-Dogar. Die Ausstellung ist Mo, Di und Mi von 10-12 und 14-17 Uhr und nach Vereinbarung zu sehen.


  • 1 Kandinsky, Wassily, Über das Geistige in der Kunst. Bern 2009, S.63.
  • 2 Kandinsky, Wassily, Über das Geistige in der Kunst. Bern 2009, S.68.
  • 3 Kandinsky, Wassily, Über das Geistige in der Kunst. Bern 2009, S.59.
  • 4 Kandinsky, Wassily, Über das Geistige in der Kunst. Bern 2009, S.59.