Geschöpfe von vier Künstlern

»Der 7. Tag« bei den Nachtansichten in der Galerie Alexandra Grass

Geschöpfe von vier Künstlern Passend zu den Nachtansichten am Samstag wird in der Galerie Alexandra Grass, Breite Straße 26, die neue Ausstellung eröffnet. Unter dem Titel »Der 7. Tag« zeigen die Künstler Detlef Hagenbäumer, Solveig Hild, Cornelius Rinne und Monika Wohlfahrt ihre Werke.

Einerseits beschäftigen sich die vier Künstler mit der biblischen Schöpfungsgeschichte, andererseits geben sie Einblicke in ihre Schöpfungsprozesse. Vor dem Hintergrund der Genesis geht es in dem ambitionierten Ausstellungskonzept
um die Suche nach Antworten auf alltägliche, politische, religiöse und philosophische Fragestellungen.

Jeder Künstler trägt ein Werk bei. »Von reiner Malerei bin ich schnell abgekommen«, sagt Solveig Hild, die »etwas Schwebendes« geschaffen hat: einen mit Blattgold überzogenen Haufen an einer Leine. Dass für die Ausstellung nichts aus dem Atelierbestand in Betracht kommt, steht für Monika Wohlfahrt fest: »Schöpfung bedeutet, etwas Neues zu schaffen.« Zur Bibelstelle Genesis 2,21 (»Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen…«) hat sie eine Schaufensterpuppe gestaltet. Objekt und Performance verbindet Detlef Hagenbäumer, der sich am Abend der Nachtansichten in der Galerie aus einem Kokon schneidet. Und Cornelius Rinne zeigt live beim »Blind Painting«, wie großartig seine Bilder auch dann sind, wenn er sie nach Anweisung mit verbundenen Augen malt. Außerdem präsentiert der Joseph-Beuys-Schüler als Videoprojektion eine Bilderexplosion, eine Art optischen Urknall.
»Die Werke sind Skulpturen, Installationen und Live-Acts. Zum Konzept gehört, dass wenig an die Wände gehängt wird«, erläutert Galeristin Alexandra Grass.

Was auch neugierig macht: David Riedel, künstlerischer Leiter des Böckstiegel-Hauses in Werther, hat sich von Cornelius Rinne malen lassen. Das Porträt hängt während der Nachansichten in der Galerie. »Blind Painting« heißt die Methode. »Ich zeichne auf die Leinwand zuerst das Gesicht. Dann setze ich eine blickdichte Brille auf und male das, was mir
der Porträtierte sagt«, erläutert Rinne sein Konzept.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Der Betrachter erkennt, welche Stichworte Riedel gegeben hat: den typischen Schwarzwälder Bollenhut aus seinem nach Dänemark bevorzugten Urlaubsziel, eine Parkbank, zwei Kirschen und ein
Bierglas. »Ich hatte mir im Vorfeld nichts überlegt, ich sollte ja spontan sein. Aber während der Aktion ist es mir nicht leicht gefallen, Gegenstände zu benennen«, sagt der künstlerische Leiter des Böckstiegel-Hauses. Das hat möglicherweise am Kamerateam des Bielefelder Filmhauses gelegen, das für die Nachtansichten ein Video über die Aktion produzierte. Zu sehen ist der Film während der Veranstaltung auf der Leinwand vor dem Alten Rathaus.

David Riedel zeigt sich begeistert von seinem Porträt: »Cornelius Rinne hat alles klasse umgesetzt. Wichtig war uns die gemeinsame Auswahl der Farben.« Und bei der Gelegenheit hat der Kunsthistoriker auch seinen Lieblingskünstler verraten: Georg Baselitz.
In wessen Besitz das Bild geht, steht noch nicht fest. »Vielleicht findet es bei den Nachtansichten ja einen Käufer«, hofft er.

– Andreas Schnadwinkel – Westfalen-Blatt 22.04.2013

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